Repressive Diskurse am Beispiel Wurzen

Einige Menschen haben sich nochmal Gedanken über die Berichterstattung in der LVZ gemacht und das kam dabei raus,hört doch selber mal rein.
Ein Beitrag bei freie-radios.net:Demonstrationen und Kundgebungen werden in vielerlei Hinsicht durch Polizei und Behörden behindert und beschränkt. Wie repressiv dabei vorgegangen wird, hängt nicht zuletzt von der Berichterstattung der Medien ab. Ein krasses Beispiel „repressiver Berichterstattung“ war die einwöchige Meinungsmache der LVZ-Lokalausgabe Muldental nach dem „antirassitischen Sonntagsspaziergang“ am 22.3.09 in Wurzen. Eine Analyse.

http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=27770

Wurzen fühlt sich dreckig, doch nicht wegen uns?!

Es ist dem “ehrverletzenden Antifa-Aufmarsch” zu verdanken, dass Wurzen gegen die Fremden von außerhalb (auch “Terror-Touristen” genannt) “zusammenrückt”. Das ganze nicht ohne Folgen, Heimatgefühle wurden aktiviert und die Stadt und deren BürgerInnen möchten sich laut Wulf Skaun nun politisch rein halten, so wird seit langem wieder ein “Dreck-weg-Tag” durchgeführt um die Stadt zu putzen und noch “schöner, attraktiver und sauberer” zu machen und das ganze nach 4 Jahren. Denn das Putzen war schon lange Tradition, nur 2005 war Schluss, wegen mangelnder Resonanz, schon komisch, bei den ganzen aktiven BürgerInnen, die doch so viel für ihre Stadt machen und auch gerade politisch engagiert sind. Gut die Naziaufkleber waren schon lange kein Problem mehr, waren sie doch von guten Deutschen mit ehrhaften Zielen, da kann mensch das mit der bekanntlich “deutschen Ordnung und Sauberkeit” auch mal nicht ganz so genau nehmen. Aber jetzt wo nach diesem widerlichen “Antifa-Aufmarsch” die Stadt dermaßen verschandelt wurde, fällt auch der ganze andere “Dreck” stärker ins Auge als die letzten Jahre. Gut, dass der Stadt und seinen BürgerInnen dadurch jetzt wieder die “Lust auf ein Gemeinschaftserlebnis”gekommen ist und sie gleich gemeinsam den “Dreck” bekämpfen wollen. Ob da wohl auch die guten Deutschen dabei sein werden, die sonst für “Dreck“ sorgen? Naja ist ja auch nicht so schlimm, gehören sie doch dazu, genauso wie ihre schönen Aufkleber. Da kann Mensch nur hoffen,dass an dem Tag nichts Fremdes in der Stadt unterwegs ist, könnte ja passieren, dass es als “Dreck” auch gleich bereinigt wird, denn die Stadt soll “rein und sauber “ sein. Da fällt einem eigentlich nur noch eines ein, ich kann gar nicht so viel fressen …

Wer sich gerne selber über die Vorstellung und Ansichten informieren möchte, sei hiermit noch mal auf unsern Bereich “Presse nach der Demo” verwiesen.

Hier der Text und Standpunkt zum “Dreck-weg- Tag” in Wurzen

LVZ 28.3

Viele Besen kehren gut

Von Wulf Skaun

Standpunkt

Der von vielen als ehrverletzend erlebte Antifa-Aufmarsch am 22. März hat die Wurzener offensichtlich zusammenrücken lassen. Das Redaktionstelefon klingelte heiß, und viele der aufgebrachten Stimmen ließen auch ihre Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt erkennen und dass man, ungestört von ungebetenen, weil unkooperativen Kräften von außerhalb, auch weiterhin aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Neonazismus vorgehen werde. Manche Botschaft vermittelte auch Wunsch und Bereitschaft, Wurzen für sich und gern gesehene Gäste noch attraktiver, schöner und sauberer zu machen. Wurzen politisch rein zu halten, ist eine ständige Aufgabe und Herausforderung für alle. Den wortwörtlichen Dreck aber mit dem Frühjahrsputz auszukehren, dem dient eine punktuelle Gemeinschaftsaktion. Am 4. April haben alle Bürger die Gelegenheit, schönen Worten handfeste Taten für ein fabelhaft sauberes Wurzen folgen zu lassen. Viele Besen kehren gut.

Wieder ein Dreck-weg-Tag
Wurzener Rathaus ruft alle Bürger zum öffentlichen Frühjahrsputz auf

Wurzen. 2005 war Schluss mit dem obligatorischen Frühjahrsputz der Stadt. Irgendwie fanden die Pläne des Rathauses für mehr Effektivität und größere bürgerschaftliche Bereitschaft nicht die erwartete Resonanz. 2009 soll aber wieder an die gute alte Tradition angeknüpft werden.
„Sonnabend, 4. April, ist Dreck-weg-Tag“, kündigen Kulturbetriebsleiterin Bettina Kretzschmar und Baubetriebshofleiter Steffen Horn bei einem Pressegespräch das erneute General-Saubermachen in Wurzen an. Von 9 bis 12 Uhr sollen möglichst viele Einwohner der Stadt Wurzen und der dazugehörigen Ortsteile zu Besen, Harke, Plastiksack und Eimer greifen, um den Winterdreck aus den Schmuddelecken zu kehren und ihren Heimatort auf Straßen und Plätzen, Wegen und Grünflächen frühlingsfein zu machen. „Wir setzen darauf, dass die Bürger nach dem Prinzip ,Jeder kehre vor seiner eigenen Tür‘ zunächst das eigene Wohn- und Geschäftsumfeld in Ordnung bringen. Wer dann noch überschüssige Puste und Lust auf ein Gemeinschaftserlebnis hat, kann gern auf den Markt kommen. Das gilt freilich auch für alle jene, die kein eigenes ,Pflegefeld‘ oder die Möglichkeit haben, direkt vor ihrer Haustür, in ihrer Straße oder auf vorhandenen Grünflächen Hand anzulegen“, rührt Bettina Kretzschmar kräftig die Mach-mit-Trommel. Schulen, Kitas, Vereine und Einrichtungen seien aufgerufen, sich an der Anti-Schmutzkampagne zu beteiligen. Bauhofleiter Steffen Hunger ergänzt: „Wir stehen auch auf dem Marktplatz mit Einsatzplänen und Gerätschaften bereit. Wer sich aber schon zuvor sein Säuberungswerkzeug bei uns organisieren möchte, kann das unter Telefonnummer 90 16 34 oder 90 16 35 gern tun.“ Im Übrigen sei auch der Baubetriebshof am 4. April besetzt und könne für den Abtransport von eingesammeltem Müll und Unrat angefordert werden. „In früheren Jahren hatte dieser Service zu falschen Schlüssen geführt. Deshalb sage ich es ganz deutlich: Wir entsorgen keine Elektrogeräte, Altreifen, Sperrmüll und dergleichen kostenfrei. Unsere gemeinsame Aufgabe am 4. April ist es, auch die Ecken mit Winterdreck aufzuspüren und zu beseitigen, die bei der regelmäßigen Stadtreinigung noch übrig geblieben sind.“ Oberbürgermeister Jörg Röglin und Kulturbetriebsleiterin Bettina Kretzschmar wollen übrigens im Doppelpack ihre Handschrift hinterlassen. Gemeinsam werden sie die Pergola hinter dem Alten Rathaus lasieren. Damit die Freude über die geleistete gemeinsame Aufräumarbeit auch gleich in geselliger Runde miteinander geteilt werden kann, habe Oberbürgermeister Jörg Röglin einen zweiten Aktionsschritt initiiert. „Er lädt alle fleißigen Helfer ab 12 Uhr auf den Markt ein, um sich mit ihnen in lockerer Atmosphäre auszutauschen“, macht Bettina Kretzschmar auf die auf größere Bürgernähe zielende Intention des Rathauschefs aufmerksam. Bei Bier und Rostern zum kleinen Preis könne man auch das Kapitel sauberes Wurzen noch in mehrerer Hinsicht diskutieren.
Wulf Skaun

Satire die nicht gedruckt wurde

Wir erhielten einen satirischen Bericht, der leider nicht abgedruckt wurde, daher möchten wir die mühe der AutorInnen nicht ungewürdigt lassen und veröffentlichen ihn hier, dies spiegelt daher auch nicht die Meinung der Gruppe wieder.Viel Spaß oder auch nicht;)
Desweiteren möchten wir auf den Bereich Presse nach der Demo verweisen, was da geschrieben wird zeigt einiges über die Einstellungen und Meinungen, besonders bei der LVZ.

EINE REPORTAGE:

Personen & Aussagen in diesem Text sind erfunden; Ähnlichkeiten mit tatsächlich existenten Aussagen oder Personen sind reiner Zufall.
Jedoch beruht der Text auf wahren Begebenheiten. Für weiterführende Informationen vgl. die Satirezeitung LVZ, Lokalausgabe Muldental, 23.3.09

„Wo sind die Faschisten?“ Wurzen genügt sich selbst – kein Problem mit Neonazis

Qualitative Umfrage der Wurzenzeitung bestätigt: „Ringelnatz statt Wurzen“ ist antifaschistisches Paradies – wären da nicht die Auswärtigen

Beschaulich liegt das brachliegende Kleinod der Keksfertigung Wurzen, die selbsternannte „Ringelnatzstadt“, im Zentrum des „mitteldeutschen“ (vgl. www.npd-sachsen.de; www.mdr.de) Muldentals darnieder. Rentner bevölkern zahlreiche Fenstersimse des Altenheims mit Stadtstatus. „Ruhe und Ordnung“ sind hier nicht nur Phrase – den Großteil des Jahres ist Wurzen heimliche Modellstadt des jeweilig deutschen Innenministers; die „goldene Hausnummer für gelebte Ruhe“ ist ein (leider) nicht existenter Ehrenpreis der Wurzenstadt. Neonazis benötigt die Stadt überhaupt nicht, zeigt nun eine Umfrage der einzigen Tageszeitung im pluralen Mediendschungel des Muldentals. Anlass der Meinungseinnahme war eine Phantomdemonstration – ein Netzwerk „sogenannter linker Populisten, die nicht mal die DDR gutfinden“, so das Rentnerfazit, machte das einzige Nichtproblem der „Stadt (keine Nazis) zum Thema und bekam mächtigen Gegenwind geballter Wurzner Linientreue.

„Was wollen die Fremden hier – hier is alles sauber!“ Rentner Gerhard G. ist sauer. Seit Jahren engagiert er sich – zumeist hinter der Gardine – gegen faschistische Umtriebe in Wurzen. Demokratie lebt er wie soviele im verfallsbedrohten Paradies in den eigenen vier Wänden. Doch gestern hat es ihn mal wieder auf die Straße getrieben: demokratischer Ehrgeiz und die schöne Erinnerung an den „deutschen Herbst ’89″ lockten nicht nur ihn nicht. Der Rummel war in der Stadt und begeisterte vor allem Alt mit exotischen Fahrgeschäften. „Früher hatten wir nur Trabis und Schwalben“, lacht G kurz auf. Doch sogleich fällt sein sozialismusgestähltes Betongesicht wieder zurück in Falten: das buntgraue Zentrum stolz-ostdeutscher Arbeitslosigkeit lässt die vielbesungene Ruhe („Kühe, Schweine, Ostdeutschland“) an diesem mittelmäßigen Sonntag vermissen. „Strikte Ablehnung“ der Wurzner „Bürger“ begegnete dem antirassistischen Sonntagsspaziergang. Dieser stand „unter Führung“, hatte also eine Führerin, das meint ein bis über beide Ohren durch informierter Umfrage- und Schriftkundiger, Angestellter der Muldentaler Lokalausgabe des demokratischen Zentralorgans Wurzenzeitung. Den Sitz des Oberkommandos der „Führung“ braucht dieser Lokalfürst, „Abteilungsleiter Feindaufklärung“ (Visitenkarte), nicht zu benennen; den kennen „seine“ Wurzner schon.

Jährlich schickt das geheime rote Oberkommando, „die Führung“ (Wurzenzeitung), Rotfaschisten aus dem roten Leipzig zur aktionsorientierten Freizeitgestaltung. Nicht nur Gerhard G. weiß: in Wurzen gibt es kein Problem mit Nazis – bis „die Bekloppten von Außerhalb“ einfallen. In der Hinsicht herrscht in der Ringelstadtnatz ruheständige Einigkeit. Auch Rentner Horst bekennt sich zum innerwurzner Pluralismus, kommen doch die Auswärtigen „aus Leipzig und sonst woher. Was unser Oberbürgermeister in der Wurzenzeitung gesagt hat, ist auch meine Auffassung. Wenn die Leute es wirklich ernst gemeint hätten mit ihrem Anliegen, dann hätten sie sich mit der Stadt verbündet. Wir brauchen keine Randale.“ Doch die Randaletruppe „von draußen“ will Randale, „und so geht der Schuss am Ende nach hinten los“, meint eine angepisste Frühvierzigerin. Ob sie sich am Zurückschießen beteiligt hätte, lässt die sympathische Vordenkerin des bewaffneten Arms der Dorfjustiz erstmal offen.

Wie so wenige Rein-Wurzner an diesem Tag zeigt auch Rentner Horst gern und ungefragt sein faltiges Gesicht, weiß er doch um die abschreckende Wirkung dieser grunddemokratischen Nacktheit. Genau die vermisste Rentner-Horst aber bei den Auswärtigen. Denn die wollten offensichtlich gar nicht Gesicht zeigen, erzirkelschloss der augenzeugende Ruheständler: „Dann hätten sie ihre Sonnenbrillen und anderen Mummenschanz weggelassen. Dafür haben sie aber einigen Wurzenern Schläge angeboten, kann ich als Augenzeuge sagen. Kein Wunder, dass viele Einheimische Angst hatten, eins auf die Schnauze zu kriegen.“ Welche „vielen Einheimischen“ da von nicht-heimischen Schlägen bedroht wurden, ist für die alteingesessene „Bürgerwehr im Ruhestand“ (www.die-Renntner.de) braunglas-klar. Die „regional befreite Zone“ Muldental musste und muss nämlich gegen „die drohende Überfremdung durch Großstadtgesocks“ geschützt werden – erfolgreich zumeist, so die Bilanz unterm Lokalen Aktionsplan Muldental des örtlichen „Heimatschutzes“. Dass dies nicht der Polizei überlassen werden darf, zeigte sich nun wieder bei dieser „Affenschande in der Demokratie“; Neurentner Lutz (65) meint die Versammlungsfreiheit. „Sowas gab es früher nicht! Die reine Geldverschwendung, wenn man an die vielen Polizeibeamten denkt, die wegen der Leute von draußen gebraucht werden.“ Er könne nicht begreifen, „warum die, nur weil es auch in Wurzen so einen rechten Laden gibt, immer hierher kommen.“ Begreifen fällt nicht nur ihm schwer; viele Begriffe wiederum kennt er auswendig: „Die Gewalt ging von den sogenannten Linken aus, diesen Populisten.“

„Und die stören dann hier Ruhe und Ordnung!“, so ein weiterer Rentner im direkten Vergleich. „Ich kann nur sagen: zum Glück gibt es noch ein paar aufrechte Jugendliche, die die Innenstadt befrieden!“ Tatkräftig und vor allem ehrenamtlich (sic!), 364 Tage im Jahr. Wäre da nicht der Polizeischutz (größtenteils von außerhalb(!)) für die „fremdrote Demonstration“, die hier noch bekannte 99-Prozent-Quote des Wurzner „5-Jahresplans für gegen Randale“ (OB Ringelnatz) wäre in diesem Jahr übererfüllt worden.
Denn gegen diese „sogenannten Linken“ helfen sie aus, die defensiv-friedlichen, die wirklichen Wurzner Ordnungshüter. Die wenigen verbliebenen aufrechten Jugendlichen, ein eigentlich gar nicht so kleines Häuflein, welches den Vorstellungen des gelebten demokratischen Antifaschismus Wurzner Provenienz deutlichst entspricht. Äußerlich wie innerlich aufgeräumt tragen sie den Wurzner Volkswillen auf die Straße. „Wurzen erwache!“ Eine beliebte wie unnötige Parole, die (noch) nie jemand gebraucht hat, die aber eine Endlösung der Auswärtigen-Frage verheißt. Hoffnung keimt in der Ringelstadt Wurznatz, lebendig und bunt wie ihre Bewohner.

Wurzen: Sie wollen uns nicht? Wir kommen trotzdem!

An diese Stelle wollen wir über die Auflagen zur Demonstration in Wurzen informieren,‭ ‬sowie noch ein paar Gedanken und Tipps für den‭ ‬22.März mitgeben.

Vorab ist zu sagen,‭ ‬dass die uns problematisch erscheinenden Auflagen nach dem ersten Anlauf‭ – ‬dem Einlegen von Widerspruch‭ – ‬recht unkompliziert zurückgenommen wurde
Nichts desto trotz reiht sich der Versuch die angemeldete Demonstration als Störfaktor für die öffentliche Sicherheit und in diesem Sinne von vornherein möglichst repressiv zu behandeln, in eine Folge von absurden Beauflagungen von politischen Versammlungen ein‭ ‬-‭ ‬wie z.‭ ‬B.‭ ‬in Bayern,‭ ‬Berlin oder Hamburg.‭ ‬Schon seit längerem ist eine immer repressivere Behandlung von Demonstrationen durch den Staat zu beobachten,‭ ‬wie auch das Verhalten der Behörden beim größten Naziaufmarsch in Europa,‭ ‬der letzten Monat in Dresden stattfand,‭ ‬zeigt.

Im‭ ‬3.‭ ‬Punkt der Auflagen‭ ‬war‭ ‬folgendes zu lesen:

‎„‏Die Frontransparente sind in der Länge auf‭ ‬2‭ ‬m‭ ‬zu begrenzen‭“
Nicht nur dass es in den letzten Jahren üblich geworden ist,‭ ‬Seitentransparente meist auf eine Größe von‭ ‬1,5‭ ‬Metern zu beschränken‭ – ‬im Landkreis Leipzig wollte man sogar dazu übergehen Fronttransparente auf eine Maximalgrenze von‭ ‬2‭ ‬Metern zu beschränken.‭ ‬Erklärt wurde dies wie folgt:‭ ‬„[die Transparente‭] ‬müssen so beschaffen sein,‭ ‬dass sie sich nicht dazu eignen,‭ ‬Personen oder Personengruppen gegen notwendige Polizeizugriff abzuschirmen.‭“
Mit dieser Unterstellung beweist die Versammlungsbehörde ihre beschränkte Wahrnehmungsfähigkeit.‭ ‬So war es in den Vorjahren eben nicht die‭ ‬Antirassistische‭ ‬Demonstration,‭ ‬von der Gewalt oder‭ ‬Probleme‭ ‬ausgingen,‭ ‬sondern Neonazis,‭ ‬die versuchten die Demonstration‭ ‬massiv zu stören.‭ ‬Im letzten Jahr waren es‭ ‬mehr als‭ ‬70‭ ‬Nazis,‭ ‬die versuchten den antirassistischen Sonntagsspaziergang anzugreifen,‭ ‬was die hoffnungslos unterbesetzte Provinzpolizei mit‭ ‬44‭ ‬Beamten gerade so abwehren konnte.

Das eigentliche Problem scheint für die staatlichen Behörden offensichtlich die größere‭ ‬Mobilisierung zur antifaschistischen/‭ ‬antirassistischen Demonstration‭ ‬zu sein.
Nicht nur dass von ihrer Seite versucht wurde,‭ ‬die angemeldete TeilnehmerInnenzahl nach oben zu korrigieren,‭ ‬nein‭ ‬-‭ ‬sie‭ ‬merkte an,‭ ‬dass die Zahl‭ ‬der eingesetzten PolizistInnen‭ ‬für die Demo-VeranstalterInnen eher‭ „‬zu hoch‭“ ‬sein würde.‭
Soll also mit der nach oben gesetzten TeilnehmerInnenzahl ein erhöhtes Polizeiaufgebot‭ ‬gerechtfertigt werden‭?

Im Auflagenbescheid‭ ‬hieß es weiterhin:‭

„Die Seitenbegrenzung des Demonstrationszuges durch Transparente,‎ ‏Seile und ähnliche Vorrichtungen ist untersagt.‭“

Es wurde also versucht‭ ‬ein generelles Seitentransparent-Verbot zu beauflagen‭!

Gegen diese beiden Auflagen,‭ ‬wie auch die vorwurfsvoll formulierte‭ ‬Wegweisung,‭ ‬dass‭ „‬Musikbeiträge‭ […] ‬in einer dem Versammlungszweck angemessenen Lautstärke zu halten‭“ ‬sind,‭ „‬so dass nur die unmittelbaren Versammlungsteilnehmer angesprochen und darüber hinaus Passanten und Anwohner nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar belästigt‭“ ‬werden.‭“‬ wurde wie erwähnt erfolgreich Widerspruch eingelegt.‭

Was bleibt ist die Änderung der Route.‭ ‬Die Demonstration‭ ‬wird nicht‭ – ‬wie angemeldet‭ ‬-‭ ‬durch zwei in einem Wurzener Wohngebiet liegende Straße laufen,‭ ‬um‭ „‬Lärmbeeinträchtigung im allgemeinen Wohngebiet‭“ ‬zu vermeiden.‭ ‬ Schwerer wiegt,‭ ‬dass‭ ‬die Demonstration nicht am in der Walther Rathenau Strasse‭ ‬18‭ ‬sitzenden Nazi-Versandhandel‭ „‬Front Records‭“ ‬vorbeiziehen darf.‭ ‬Begründet wird diese Änderung damit,‭ ‬eine Konfrontation vermeiden zu wollen.‭ ‬Hierbei sei erwähnt,‭ ‬dass die Demonstration,‭ ‬bis auf das letzte Jahr,‭ ‬immer an dem Naziladen vorbei gelaufen ist.‭ ‬Letztes Jahr war dies nicht möglich,‭ ‬da der Besitzer Thomas Persdorf zum Grillen einlud und sich mehrere Nazis vor dem Laden versammelt hatten,‭ ‬von wo aus sie‭ ‬versuchten die Demonstration anzugreifen.

Nichts desto trotz zeigt dieser Fall,‭ ‬dass es sich lohnen kann,‭ ‬willkürliche Einschränkungen der Versammlungsfreiheit nicht hinzunehmen.‭ ‬Wie kooperativ‭ – ‬oder nicht‭ ‬-‭ ‬Behörden tatsächlich sind,‭ ‬wird sich vor allem am‭ ‬22.3.09‭ ‬in Wurzen selbst zeigen.‭


Noch ein paar Tipps zur Anreise

Schließt euch in Gruppen zusammen,‭ ‬vernetzt euch mit anderen Städten und reist gemeinsam an.‭ ‬In den letzten Jahren gab es fast keine Aktion in Wurzen die nicht angegriffen oder versucht wurde anzugreifen.‭ ‬Dies ist keine Panikmache,‭ ‬wir lassen uns davon nicht einschüchtern,‭ ‬dennoch sollte dies bei der Planung der Anreise berücksichtigt werden.‭ ‬Zudem raten wir davon ab mit Autos zu kommen.‭ ‬Die Straßenführung‭ ‬ist nicht besonders autofahrerInfreundlich für Menschen,‭ ‬die sich nicht auskennen.‭ ‬Dies könnte zu kleinen Irrwegen führen,‭ ‬die in Wurzen nicht undbedingt‭ ‬hilfreich sind.‭ ‬Zudem kann für den Schutz der Autos nicht garantiert werden,‭ ‬die Polizei versichert zwar das der Parkplatz am Bahnhof gesichert sein würde,‭ ‬doch diese Aussage gab es bereits letztes Jahr und Überraschung,‭ ‬es gab diese Sicherung nicht.

Der Zugtreffpunkt für Leipzig ist‭ ‬12:45Uhr am Infopoint am Hauptbahnhof,‭ ‬der Zug fährt dann um‭ ‬13:08Uhr nach Wurzen.

Wie‭ ‬gesagt,‭ ‬wir wollen keine Angst verbreiten,‭ ‬sondern dass ihr gut informiert und geschützt nach Wurzen kommt.

Noch eine kleine und lustige Auflage unter‭ ‬7.:

‎„‏Es ist verboten,‭ ‬Farbsprühflaschen oder sonstige Gegenstände zur Farbmarkierung mitzuführen.‭“‬´
Aber,‭ ‬aber‭ ‬-‭ ‬wir wollen doch nicht die Ruhe,‭ ‬Sauberkeit‭ ‬und Ordnung in Wurzen gefährden.‭ ‬Also,‭ ‬liebe SprayerInnen und sonstige KünstlerInnen der bunten Wände,‭ ‬schön die Dosen und Stifte usw.‭ ‬zu Hause lassen‭ ;) ‬.

Fassen wir‭ ‬die ursprüngliche Intention des Landratsamtes Landkreis Leipzig also‭ ‬noch mal zusammen:‭ ‬am besten keine Transparente,‭ ‬keine Route durch größere Wohnstraßen,‭ ‬damit‭ „‬die Lärmbelästigung‭“ ‬der WurznerInnen nicht zu hoch ist und nichts zum‭ ‬Malen.‭ ‬Klingt,‭ ‬als wären wir eine gemeine Belästigung für Wurzen.‭ ‬Schön‭! ‬Wir kommen gerne‭!

Es scheint ein wenig,‭ ‬als wäre alles wie immer:‭ ‬antifaschistische Aktionen sind das Problem,‭ ‬nicht Nazis und ihre Hegemonie,‭ ‬besonders im braunen Sachsen.‭ ‬Unterstellungen und Versuche uns abzuschrecken werden uns nicht davon abhalten,‭ ‬eine entschlossene und kämpferische Demonstration durchzuführen.‭ ‬Wir werden da sein,‭ ‬ob es den Nazis,‭ ‬den Behörden oder der Bevölkerung passt oder nicht‭!‬ Wir haben keine Angst vor der Provinz‭! ‬Also kommt vorbei und helft uns dabei‭!

Wurzen‭ ‬22.März‭ ‬14Uhr Bahnhof‭

http://www.myspace.com/demowurzen

Antifaschistisches Netzwerk Leipziger Land

Auch wir möchten noch auf die leider zeitgleich stattfindende Demonstration am 22.3 in Oranienburg hinweisen, die mit nicht weniger Naziproblemen und Behörden zu kämpfen hat und deren VeranstalterInnen unsere Solidarität haben,auch wenn wir leider nicht kommen können.

Link zur Sonderseite der Demo in Oranienburg:
http://antifagruppeoranienburg.blogsport.de/22032009/
Aufruf der Antifa Gruppe Oranienburg
http://antifagruppeoranienburg.blogsport.de/22032009/aufruf/

Am 22.3 nach Oranienburg und Wurzen! Unterstützt die Provinz!
http://wurzen.blogsport.de/

Rassistenzone Sorglosland … – Teil 2

Im zweiten Teil geht es um den Muldentalkreis besonders um Colditz, in dem Aufruf für die Demonstration am 22.März in Wurzen ist nicht umsonst die Rede von Naziterror. Dies soll in dem Beitrag genauer erklärt werden.

In Colditz und Umgebung kann mittlerweile wieder die Bezeichnung „No- Go-Area“ verwendet werden. Besonders die Stadt Colditz sowie die angrenzenden Gemeinden haben sich zu solch einer Zone für MigrantInnen und nichtrechte Menschen entwickelt.
Auch hier ist nicht nur die gut vernetzte Naziszene das Problem, sondern auch die politischen Vorstellungen innerhalb der Gesellschaft (Stadtgesellschaft), die damit den Nazistrukturen den Rücken stärken. Rechte Jugendliche dominieren das Stadtbild, sei es in den lokalen Jugendzentren, Schulen oder anderen Treffpunkten, die Nazihegemonie ist bereits so stark ausgeprägt, dass KritikerInnen und GegnerInnen Gefahr laufen Opfer von Gewalt zu werden. Die Formen der Einschüchterungen und Gewalt reichen von „Outing“-Flugblättern, Telefonterror, Morddrohungen bis zu Körperverletzung oder Anschlägen auf Einrichtungen/Personen. Den Höhepunkt, der auch überregionale Beachtung fand, stellt das Geschehen am 23.2.08 da. An jenem Abend versammelten sich etwa 100 Neonazis in Colditz und überfielen ein Elektrogeschäft, eine Turnhalle sowie einen Dönerimbiss. Die Angreifer warfen mehrere Brandsätze, eine Nebelgranate und demolierten das Ladengeschäft des Elektrohändlers. Dieser hatte zuvor einigen alternativen Jugendlichen die Nutzung der Turnhalle für Konzerte erlaubt.

http://de.indymedia.org/2008/02/208896.shtml
http://www.redok.de/content/view/1031/36/
http://www.ndk-wurzen.de/modules/wfsection/article.php?articleid=988

Die Reaktion des Bürgermeisters bestand darin weitere alternative Konzerte zu verbieten, denn die Nazis waren wie immer nicht das Problem, sondern jene die von ihnen Angegriffen werden und die Nazis mit ihrer Präsenz „provozieren“.

Nazistruktur in Colditz

Neben zahlreichen rechtsorientierten Jugendlichen und dem typischen „Dorfnazi“-Klientel gibt es einige gut organisierte Strukturen mit festem Personalstamm und wachsendem Mobilisierungspotential. Zu dem zählen sich „erlebnisorientierte“ Jugendliche, die oft der lokalen Freefight-Szene entstammen.
Bemerkenswert sind auch die Kontakte der Colditzer Naziszene zu benachbarten Regionen. Hier gibt es organisatorische Querverbindungen und personelle Schnittmengen mit Nazis aus dem Landkreis Döbeln und der verbotenen Mittweidaer Kameradschaft „Sturm 34“.

Zentrale Institution in der Region ist das „Bündnis für Deutschland“. Es versteht sich als „Heimatschutz“-Netzwerk, besteht aus 30 Personen und tritt mit einer eigenen Website an die Öffentlichkeit. Das zugehörige Postfach führt zu einem Michael Valentin, der schon seit Jahren aktiver Neonazi ist. Unterstützt wird das Bündnis auch durch Jens Schober aus Leisnig. Schober war früher Kopf der aufgelösten „Nationalen Sozialisten Leisnig“ und schon mehrfach Anmelder von Kundgebungen und Aufmärschen, unter anderem in Delitzsch und Merseburg. Einst soll er versucht haben, eine Ortsgruppe des im Juli 2008 aufgelösten „Kampfbundes Deutscher Sozialisten“ (KDS) in Leipzig aufzubauen, hat sich dann aber mit dessen Führungsfigur Axel Reitz überworfen. Nach weiteren Streitereien kam es zum Bruch zwischen Jens Schober und Figuren der überregionalen Neonaziszene. Mittlerweile hat er seine Aktivitäten deshalb auf Leisnig und den südlichen Muldentalkreis beschränkt. Das „Bündnis für Deutschland“ verteilt regelmäßig eigene Flugblätter, organisiert unter dem Slogan „Heimat, Familie, Freunde, Gemeinschaft“ eine monatliche Veranstaltungsreihe, die einen regionalen Vernetzungscharakter hat. Bis zu 70 Personen nehmen regelmäßig an diesen Ausflügen und Kameradschaftsabenden teil. Wie gut die Vernetzung der einzelnen Gruppen im Detail funktioniert, zeigt folgendes Beispiel: Am 14. April 2008 wurde ein Friedensgebet in der Colditzer Schlosskirche von etwa 40 NPD-Anhängern, darunter der NPD-Landtagsabgeordnete Winfried Petzold( jetzt mit Büro in Leipzig) und parteifreien Nazis gestört. Sie besetzten die letzten Bänke der Kirche, verteilten Flugblätter, hielten Transparente in die Luft und fotografierten alle Anwesenden ab. Schon zwei Tage zuvor referierte der bekannte Altnazi Manfred Röder im Gasthof Zollwitz, unweit von Colditz. Etwa 100 ZuschauerInnen besuchten seinen Vortrag, darunter nicht nur NPDler, sondern auch „freie Nationalisten“.
Besonders die NPD profitiert von der Nazihegemonie der Region und holt ortsansässige Kader in ihre Strukturen. Zur Kommunalwahl trat neben dem Colditzer Stephan Behne auch der 22-jährige Hannes Hübel für die NPD an. Hübel, selbst aus Colditz, war an zahlreichen Überfällen auf Jugendliche beteiligt und ist regelmäßiger Gast bei wichtigen Nazievents, so etwa im Herbst 2007 beim „Fest der Völker“ in Jena. Die regionale NPD hat folgerichtig ihren Aktionsschwerpunkt nach Colditz verlagert und baut die Zusammenarbeit mit lokalen Nazis weiter aus.
Zudem nutzen große Teile des Umfelds der verbotenen Kameradschaft „Sturm 34“ die Region als neues Domizil, nachdem ihnen dies in Mittweida und Umgebung nicht mehr gelingt.
Selbst im Umland von Colditz ist nichts besser: Der nahe gelegenen Ort Koltzschen wurde zu Pfingsten von der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) besucht. Sie hielte dort ihr diesjähriges „Pfingstlager“ mit über 150 Kindern und Jugendlichen ab. Neben Parteistrukturen und Kameradschaften existiert in der Region mit den „Shamrock Fighters“ ein Freefight-Club, der gerade in Colditz Fuß fasst. Personen aus dem Umfeld dieser Gruppe waren am Angriff auf eine antifaschistische Demonstration am 16. März 2008 in Wurzen beteiligt. Bekanntestes Mitglied dieser „Sportgemeinschaft“ ist der Thaiboxer Ricky Hartung aus Hausdorf bei Colditz. Er ist auch bei den „Fighting Fellas“ in Wurzen aktiv. In Wurzen befand er sich beim Angriff auf die Antifademo unter den 70 AngreiferInnen.
Einer der Förderer der lokalen Freefight-Szene und nachweislicher Nazi-Sympathisant ist ein ortsansässiger Unternehmer. Jene – juristisch entsprechend vorbelastete – Person tritt als Scharnier zwischen Nazigruppen, organisierter Kriminalität und Rotlichtszene auf. Durch seine Hilfe erhält die örtliche Naziszene finanzielle Zuwendungen und anderweitige Unterstützung aus diesem Umfeld.
Kein Wunder also, dass selbst eine bundesweit tätige Gruppe wie die HDJ die Region für ihre Aktivitäten auswählt. Die funktionierende Zusammenarbeit von NPD, Kameradschaften und Sympathisanten in der rechtsdominierten Jugendkultur haben dazu geführt, dass sich Colditz – samt Umgebung – zur Nazihochburg entwickelt hat. Neben dem Landkreis Mittweida und der Sächsischen Schweiz ist diese Region derzeit eine der dunkelbraunsten Flecken im ohnehin schon braunen Sachsen.

Die antirassistsiche/antifaschistische Demonstration in Wurzen soll dieser Hegomonie in Sachsen und gerade in der Provinz Etwas tatkräftig entgegensetzen.

https://www.chronikle.org:3016/kategorie/3/218
https://www.chronikle.org:3016/kategorie/3/215
http://www.zeit.de/online/2008/52/npd-buergerbuero-leipzig

Der Artikel ist fast identisch mit dem Beitrag des antifaschistischen Infoportals Colditz, zu finden unter anderem hier:

http://gamma.antifa.net/gamma/gamma183-web.pdf
http://aardl.blogsport.de/2008/08/19/colditz-eine-national-befreite-zone-in-sachsen/

weitere Informationen zum „Sturm 34“:

http://www.redok.de/content/view/645/36/
http://www.youtube.com/watch?v=6rRFt_fNDKM
http://www.youtube.com/watch?v=JjVTHJy6L0Y

Die Region um Wurzen wird auch Thema der Demonstration in Wurzen am 22.März sein. Zu der hiermit nochmals Aufgerufen wird.

weitere Informationen für Leipzig und Region:

https://www.chronikle.org:3016/
http://www.left-action.de/
http://ladenschluss.blogsport.de/
http://gamma.antifa.net/
http://www.left-action.de/antifa/

Rassistenzone Sorglosland – Teil 1

An dieser Stelle sollen Ereignisse in Leipzig und dem Leipziger Umland im Jahre 2008 dargestellt/dokumentiert werden und auf den antirassistischen Sonntagsspaziergang in Wurzen hingewiesen werden. Besonderer Schwerpunkt wird dabei für das Leipziger Umland das Muldental einnehmen.

Beginnen wollen wir mit Leipzig.
„Rassistenzone Sorglosland – Es gibt kein ruhiges Hinterland“

Leipzig

Die Naziszene war in vergangenem Jahr besonders aktiv und trat dabei geschlossener und organisierter auf als dies in den letzten Jahren der Fall war.
Neben den Freien Kräften aus Leipzig und Umland und der NPD spielten auch die Fussball-/ Hooliganszene dabei eine entscheidende Rolle. Als exemplarisches Beispiel sind dabei die Blue Caps (“Fangruppierung”) des Fußballvereines Lokomotive Leipzig zu nennen, die sich für Übergriffe und Aktionen gerne Unterstützung aus Halle organisieren. Sie Übernehmen als “Fangruppierung” auch Ordneraufgaben bei Naziveranstaltungen und beteiligen sich auch öffentlich an Nazidemonstrationen [1].Mittlerweile wurde gegen die Blue Caps ein Stadionverbot verhängt, jedoch nur gegen die Symbole der Gruppe im Stadion, nicht gegen die Mitglieder der Blue Caps. Ziel der Angriffe der Blue Caps ist vor allem die Fangruppierung Diablos, eine antirassistische Fangruppe der BSG Chemie Leipzig. Exemplarische Beispiele sind, der Angriff auf die Weihnachtsfeier am 8.12.2007 [2] und der Überfall am 3.01.2009 bei einem Hallenturnier [3].

Im vergangenen Jahr kam es zu 6 angemeldeten Demonstrationen der Nazis in Leipzig.
Am 12. Januar gab es zum Beispiel einen intern organisierten Aufmarsch der „Freien Kräfte Leipzig“ durch die Stadtviertel Reudnitz, Anger-Crottendorf und Stötteritz mit 350 teilnehmenden Nazis. Weitere Informationen zu Demonstrationen sind chronologisch hier zu finden:
https://www.chronikle.org:3016/kategorie/2/49/
Inhaltlicher Schwerpunkt war für die Nazis im vergangenen Jahr das Thema Kindesmissbrauch [4], besonders nach dem Mord an einem Mädchen in Reudnitz. Dabei war es maßgeblich die Naziszene, die die Demonstrationen organisatorisch und thematische nach dem Mord bestimmten. Sie wähnten sich dabei als Vertreter des Volkszorns.

Des Weiteren kam es zu vermehrten Übergriffen gegenüber Personen und Angriffen auf Läden und Fahrzeuge. Dabei wurde auch vor Brandanschlägen nicht zurück geschreckt. Am 20. April wurde in Connewitz ein Brandanschlag auf den Fischladen, den Fanladen des Roten Stern Leipzig verübt [5] und am 24. November auf das KOMM-Haus einem soziokulturellen Zentrum in Grünau [6], welches schon vorher Ziel von Angriffen war. Die Räume des KOMM-Hauses brannten bei dem Brandanschlag komplett aus.
Während zu beginn des Jahres 2008 das Hauptaktionsfeld in Reudnitz lag [7], welches wohl mit dem Wohnort von Istvan Repaczki zu tun hatte, der einer der Schlüsselfiguren der Freien Kräfte Leipzigs ist, änderte sich dies mit der Eröffnung des Abgeordnetenbüros des Landtagsabgeordneten der NPD, Winfried Petzold, in Leipzig-Lindenau [8]. Dabei dient das Büro seit seiner Eröffnung als Mobilisierungs- und Treffpunkt der Nazis, sowie als Ausgangspunkt für Angriffe auf Linke und für Einschüchterungsversuchen gegenüber alternativen Projekten.

„Mit der zunehmenden regionalen Vernetzung ist eine Vergrößerung des Mobilisierungspotentials der Nazis zu beobachten. Die Nazis setzen auf verschiedene Aktionsformen, es gab eine Vielzahl von Aufmärschen, Kundgebungen und Propagandaaktionen in Leipzig. Darüber hinaus werden die Aktionen der Nazis zunehmend militanter – vor allem im Zusammenhang mit Fußball suchen Nazis gezielt die körperliche Auseinandersetzung“ heißt es im Conne Island Newsflyer ( http://www.conne-island.de/nf/162/3.html)

[1] https://www.chronikle.org:3016/node/179
[2] https://www.chronikle.org:3016/node/547
[3] https://www.chronikle.org:3016/node/635
[4] https://www.chronikle.org:3016/kategorie/2/139/
[5] https://www.chronikle.org:3016/node/37
[6] https://www.chronikle.org:3016/node/419
[7] https://www.chronikle.org:3016/kategorie/2/1/3/
[8] https://www.chronikle.org:3016/kategorie/2/218/

Wurzen

Schon seit Anfang der 90er Jahre gibt es in Wurzen eine Neonaziszene, die durch Übergriffe auf MigrantInnen, Andersdenkende und alternativ aussehende Menschen, durch rechte Graffitis, Aufkleber und durch Nazikonzerte im Umland auf sich aufmerksam macht. Dabei steht Wurzen „nur“ beispielhaft für die Verhältnisse im Landkreis Leipzig. Erinnert sei an Colditz, wo im vergangenen Jahr ein wahrlicher Naziterror ausgeübt wurde, Borna, wo die „Gedächtnisstätte“ sich als Zentrum von Holocaustleugnern etabliert oder Koltzschen, wo die „Heimattreue Deutsche Jugend“ 2008 ein Sommerlager durchführte.
In den 1990er Jahren erfuhr Wurzen aufgrund der massiven Nazibedrohung und des Versagens der Politik, dieser zu begegnen, bundesweite Aufmerksamkeit. Wurzen galt als DAS Beispiel für “national befreite Zonen” in Deutschland.

Mit dem Naziversandhandel „Front Records“ stellt Wurzen auch heute eine wichtige Schaltstelle für Nazistrukturen dar. „Front Records“ & Co waren auch Themenschwerpunkte des Antirassistischen Sonntagsspaziergangs 2008. Während der gesamten antifaschistischen Aktion versuchten ca. 70 Nazis mehrmals die DemonstrantInnen anzugreifen. Vor Ort war auch der die Demonstration abfotografierende NPD-Stadtrat, Wolfgang Schroth. Die Polizei war mit 44 Beamten deutlich in der Unterzahl. Einige WurznerInnen hatten zudem nichts Besseres im Sinne als die Antifaschist_innen zu beschimpfen.

Doch nicht nur die organisierte Naziszene hat sich in der Stadt gefestigt. Ihre weitestgehend unwidersprochene Etablierung ist eng mit Desinteresse und Ignoranz der Stadtgesellschaft verknüpft Auch heute ergreift ein nicht unbeträchtlicher Teil der WurznerInnen ganz bewusst Partei für rechte Einstellungen. Zu den Kommunalwahlen 1999 konnte die NPD mit 5.1 % in den Stadtrat von Wurzen einziehen. 2004 maximierte sie ihren Stimmanteil auf 11.8 %. Derzeit sitzen drei NPD‘ler unter dem Vorsitz von Wolfgang Schroth im Stadtparlament.

Daher wird am 22.März um 14uhr am Wurzener Bahnhof zum wiederholten male eine antifaschistische und antirassistische Demonstration starten.

Für den Leipzigteil wurde als Grundlage der Artikel im Conne Island Newsflyer genommen, der sehr lesenwert und zu empfehlen ist: http://www.conne-island.de/nf/162/3.html

Weitere Themen der nächsten Artikel werden “Front Records”, Colditz, genauere Ereignisse in Wurzen und Rassismus in der Gesellschaft sein.

Die VeranstalterInnen der Demonstration in Wurzen mobilisieren unter dem Motto:

“Rassistenzone Sorglosland – Es gibt kein ruhiges Hinterland“ und weiter “Wir sind nicht bereit, diese Verhältnisse in Wurzen und anderswo länger hinzunehmen. Wir werden die Nazistrukturen und den rassistischen Konsens überall aufdecken und mit allen Mitteln bekämpfen.
In diesem Sinne rufen wir für den 22.3.09 nach Wurzen auf:
Den Nazis das Hinterland versauern, „Front Records“ & Co eine klare Absage erteilen und dem Klima von Ignoranz und Schweigen entgegentreten! “

Weitere Infos für Leipzig und Sachsen auf:

www.chronikle.org
www.left-action.de
www.ladenschluss.blogsport.de